Interview mit Geschäftsführerin Britta Coy

Seit wann bist du bei JUNO?

Ich habe das Projekt JUNO gegründet. Der Verein für Fraueninteressen  hatte mich gefragt, ob ich mir ein Projekt für Flüchtlingsfrauen vorstellen könnte. Dann habe ich das Konzept entwickelt. Ich bin Geographin und war davor auf internationaler Ebene im Umweltschutz und fairen Handel tätig.

Was gehört zu deinen Aufgaben?

Ich trage die Gesamtverantwortung für JUNO. Dazu gehören die Projektentwicklung, Fördergelder aufzutreiben, Kontakt zu Anderen zu halten und neue Ideen zu entwickeln. Ich schaue, dass alles funktioniert.

Britta Coy, Geschäftsführerin JUNO

Was bedeutet JUNO für dich?

JUNO ist eine tolle Möglichkeit, geflüchtete Frauen und Münchner Frauen zusammen zu bringen. Durch den direkten Kontakt ist es viel leichter, Vorurteile abzubauen. Dies geschieht auf ganz unverfängliche Art. Man verpflichtet sich zu nichts, sondern kann einfach vorbeikommen und bei Freizeitprogrammen mitmachen. JUNO bedeutet aber auch die Stärkung der Frauen. Und das ist täglich auf beeindruckende Weise zu sehen.

„Die Frauen sind wie wir, sprechen nur eine andere Sprache, wollen aber dasselbe.“

Dein schönster Moment bei JUNO?

Oft sind es Kleinigkeiten. Wenn ich beispielsweise am Dienstagabend nach unserem offenen Abend von den geflüchteten Frauen höre: „Mensch, heute war wieder ein total schöner Tag. Wir kommen hierher und können einfach alles vergessen. Es ist so schön, dass es JUNO gibt.“. Im Grunde ist es ganz leicht, den geflüchteten Frauen Selbstvertrauen und Zuversicht zu geben.

Was sind die großen Herausforderungen bei JUNO?

Die geflüchteten Frauen haben ein großes Vertrauen zu uns und kommen auch mit ihren Problemen. Bei einer Frau beispielsweise ist das Asylverfahren negativ beschieden worden. In diesem Fall haben wir lange gekämpft. Alle haben gemeint, dass wir keine Chance haben, da die Frau aus einem sicheren Herkunftsland kommt. Aber wir haben es geschafft! Und das ist einfach toll. Eine junge Eritreerin hatte große Probleme mit ihrem Heim und der Unterkunft. Als sie hochschwanger war, wurde sie auf die Straße gesetzt. Die Frau war verzweifelt. Da haben wir viel gemacht. Jetzt haben wir es endlich geschafft, sie in einem Mutter-Kind-Heim unterzubringen. Sie ist seitdem wie ausgewechselt.

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Dass es sich so weiter entwickelt. Es gibt uns ja erst seit einem Jahr. Ich hoffe, dass wir unsere Leichtigkeit behalten, unsere Offenheit, dass jede kommen kann. Es ist einfach so schön, die Herzlichkeit  der Frauen zu erleben, die man zurückkriegt. Plötzlich merkt man, dass Berührungsängste völlig unbegründet sind. Die Frauen sind wie wir, sprechen nur eine andere Sprache, wollen aber dasselbe: einfach in Frieden leben, arbeiten, eine Chance haben. Meistens die erste in ihrem Leben. Sie wurden noch nie als Menschen wahrgenommen. Und hier merken sie plötzlich, dass sie akzeptiert werden. So wollen wir weitermachen.