Was macht eine Patin? Ein Porträt

 

Solveigh Schwager engagiert sich seit Februar 2017 als Patin für geflüchtete Frauen bei JUNO. Wir haben die lebenslustige Münchnerin gefragt, welche Aufgaben sie bei JUNO übernimmt und was sie daran reizt.

Wie bist du zu JUNO und deinem Engagement gekommen?

Über eine Freundin, die JUNO kannte. Ich wollte mich ehrenamtlich für Geflüchtete engagieren. Als gelernte Diplom-Pädagogin liegen mir die Arbeit mit Erwachsenen und Frauenthemen sehr am Herzen. Ich bin viel gereist und habe als Ausländerin in einem fremden Land gelebt. Ich weiß, wie es ist, wenn man am Anfang nichts so richtig versteht, nicht mal die Zeitung lesen kann und wenn man nicht weiß, mögen die dich hier als Deutsche oder nicht. JUNO ist daher genau das Richtige für mich.Die Frauen kommen aus Kriegsgebieten, haben schlimme Dinge erlebt. Ich will meine Patenfrauen voranbringen. Sie sollen eine schöne Zeit haben, wenn wir zusammen sind.

Solveigh Schwager

Wie kamst du zu deiner Patenschaft?

Ich lernte meine Patenfrau an meinem ersten Café JUNO-Abend kennen. Sie saß alleine und ich sprach sie an, weil sie fast gleichaltrig ist wie ich. Junge Frauen gehen in die Schule oder ins Praktikum. Sie gehen raus und sind vernetzt. Dabei lernen sie die deutsche Sprache. Für eine ältere Frau ist das viel schwieriger. Wir fanden sofort einen Draht zueinander. Schnell kamen zwei weitere Frauen ähnlichen Alters dazu. Für die beiden bin ich zwar nicht die offizielle Patin, aber wir unternehmen ganz viel gemeinsam. Meine Golden Girls, wie ich sie nenne, haben sich gefunden.

Wieviel Zeit investierst du bei JUNO?

Ich bin Vollzeit berufstätig und wollte daher ein flexibles Engagement, wo es nicht tragisch ist, wenn ich mal keine Zeit habe. Bei JUNO ist das möglich. Ich bin einmal die Woche dienstags beim Café JUNO im Bellevue di Monaco und treffe mich unter der Woche mit meinen Schützlingen, so wie ich es einrichten kann.

„Die Frauen kommen aus Kriegsgebieten, haben schlimme Dinge erlebt. Ihre Familien leben teilweise noch dort. Ich stehe den Frauen in Alltagsfragen zur Seite.  Sie sollen eine schöne Zeit haben, wenn wir zusammen sind.“

Wie siehst du deine Rolle als Patin?

Patenschaft ist Hilfe zur Selbsthilfe. Ich will meine Patenfrauen voranbringen und begleite sie aus einer schweren traumatischen Situation. Die Frauen kommen aus Kriegsgebieten, haben schlimme Dinge erlebt. Ihre Familien leben teilweise noch dort. Ich stehe den Frauen in Alltagsfragen zur Seite.  Sie sollen eine schöne Zeit haben, wenn wir zusammen sind. JUNO baut darauf auf, was jede Frau mitbringt, welche Talente, welche Fähigkeiten. Manche Frauen können toll stricken, dann besorgen wir Wolle und Strickzeug. Einige können wunderbar tanzen, wir veranstalten Tanzabende. Wenn abends eine Frau mit mir das Cafe JUNO verlässt und sagt: „Solveigh, heute war ein toller Abend, wir haben so viel gelacht“, dann ist das ein Erfolgserlebnis.

Welche Aktivitäten unternimmst du mit deinen Patenfrauen?

Wir machen mit meinem kleinen blauen Auto viele Ausflüge, zum Beispiel an den Starnberger See. Wenn es regnet, treffen wir uns bei mir und backen Kuchen, spielen Karten. Oder wir machen einen Stadtbummel, wie kürzlich, als eine meiner Golden Girls Geburtstag hatte. Manchmal begleite ich meine Patenfrau zur Migrationsberatung und zur Rechtsberatung. Das ist eigentlich keine  Aufgabe der Patin, aber ich will die Frauen auch hier unterstützen und sie sind mir sehr dankbar dafür.

Wie unterstützt Ihr die Patenfrauen beim Lernen der deutschen Sprache?

Mit meiner Patenfrau übe ich regelmäßig Deutsch. Wir treffen uns zum Beispiel im Olympiaeinkaufszentrum, gehen durch den Supermarkt und ich sage, wie  ein Produkt auf Deutsch heißt, und sie sagt mir, wie es auf Arabisch heißt. Dann wiederholen wir das, mit Händen und Füßen, aber wir kommen zurecht. Ich habe ein arabisches Bildwörterbuch mit Lautschrift, und manchmal versteht mich meine Patenfrau sogar. Manche der geflüchteten Frauen sind Analphabeten. Sie sind besonders auf unsere Hilfe angewiesen: Wenn man nicht lesen kann, kann man auch nicht U-Bahn fahren ohne sich zu verfahren.

„Wenn abends eine Frau mit mir das Cafe JUNO verlässt und sagt: „Solveigh, heute war ein toller Abend, wir haben so viel gelacht“, dann ist das ein Erfolgserlebnis.“

Was motiviert dich und was ziehst du selbst aus deinem Ehrenamt?

Für mich ist es motivierend, wenn ich merke, dass jemand sich freut, dass ich da bin. Auch für mich selbst ist die Zeit, die ich mit den Frauen verbringe, sehr bereichernd, und zwar in jeder Hinsicht. Es tut mir gut. Ich komme hierher, werde ich mit Küsschen begrüßt, es wird gelacht, gesungen und getratscht. Ich rede mit allen Frauen, nicht nur mit meinen Schützlingen. Man kriegt mit, wer gerade dabei ist zu heiraten, den Schulabschluss zu machen oder seinen Aufenthalt zu verlängern. Es wird fantastisch gekocht, authentisch und einfach, Gerichte aus aller Herren Länder. Nach so einem Abend fahre ich glücklich nach Hause.